Warum CO2-Management in der hyperbaren entscheidend ist
Wollerau, Juni 2026
In der Hyperbaric Oxygen Therapy (HBOT) liegt der Fokus meist auf einem Ziel: möglichst viel Sauerstoff aufnehmen. Doch genau hier entsteht ein kritischer Denkfehler.
Denn während viele versuchen, den Sauerstoffanteil zu maximieren, wird ein entscheidender Faktor oft übersehen: die effektive Entfernung von Kohlendioxid (CO2).
In diesem Artikel erfahren Sie, warum das sogenannte „Optimieren“ von Sauerstoff durch falsche Maskennutzung kontraproduktiv sein kann – und wie Sie Ihre Hyperbaric Session wirklich sicher und effektiv gestalten.
Der häufige Fehler: Masken „abdichten“ für mehr Sauerstoff
In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass Anwender oder Betreiber:
die Seitenventile von Non-Rebreather-Masken verschliessen
versuchen, die Sauerstoffkonzentration künstlich zu erhöhen
Die Annahme dahinter:
-> Mehr Sauerstoff = bessere Therapie
Doch genau das ist ein Irrtum.
Warum mehr Sauerstoff nicht automatisch besser ist
Unter hyperbaren Bedingungen (z. B. bei 1.5 ATA) ist Ihr Körper bereits in einem Zustand extremer Sauerstoffsättigung.
Das bedeutet:
Selbst bei 85 % Sauerstoff ist der Körper bereits maximal versorgt.
Eine Steigerung auf z. B. 93 % bringt keinen relevanten Zusatznutzen.
-> Der Unterschied ist physiologisch vernachlässigbar .
Das eigentliche Problem: CO2-Rückatmung
Wenn Sie die Ventile einer Maske verschliessen, passiert Folgendes:
ausgeatmete Luft bleibt in der Maske
CO2 sammelt sich im sogenannten Totraum
Sie atmen einen Teil dieses CO2 erneut ein
-> Das nennt man Rebreathing (Rückatmung).
Warum CO2 gefährlicher ist als zu wenig Sauerstoff
Der menschliche Körper reagiert stärker auf CO2 als auf Sauerstoff.
Schon kleine Erhöhungen führen zu:
schnellerer, flacherer Atmung
erhöhtem Puls
Unruhe und Stress
Kopfschmerzen
Konzentrationsproblemen
In stärkeren Fällen:
Verwirrung
Angst
im Extremfall Bewusstlosigkeit
Das tückische daran: Sie merken es oft zu spät
Ein besonders kritischer Punkt:
-> Unter hyperbaren Bedingungen bleibt Ihre Sauerstoffsättigung (SpO2) bei 100 %.
Das bedeutet:
Pulsoximeter zeigen „perfekte Werte“
Es gibt keine sichtbaren Warnsignale
Symptome werden oft falsch interpretiert
Viele denken dann: „Die Therapie wirkt.“
In Wirklichkeit könnte es bereits eine CO2-Überlastung (Hyperkapnie) sein.
Die Physiologie dahinter
Ein Erwachsener produziert etwa:
200 ml CO2 pro Minute
Durch eine schlechte Atemtechnik (kurzes, schnelles Ein- und Ausatmen) oder Hyperventilation (unkontrollierte schnelle Atmung) wird schnell ein Teil des ausgeatmeten 2 wieder eingeatmet. So kann sich der CO2-Gehalt im Blut schnell zu einem kritischen Wert entwickeln:
Bereits 2–3 % CO2 in der Atemluft können problematisch werden.
CO2-Werte im Blut steigen deutlich an.
Symptome treten schleichend auf.
Warum die Kammer eigentlich sicher ist – und was sie sabotiert
Moderne Hyperbaric Chambers sind so konstruiert, dass:
kontinuierlich frische Luft zugeführt wird
CO2 aktiv abgeführt wird
sichere Konzentrationen eingehalten werden
-> Ziel: unter 2.500 ppm CO2 im Innenraum.
DOCH, wenn Sie eine Maske abdichten, passiert Folgendes:
die Belüftung funktioniert in der Maske nicht mehr
CO2 bleibt direkt vor Ihrem Gesicht
das gesamte Sicherheitskonzept wird umgangen
Die richtige Priorität (entscheidend!)
Viele machen einen grundlegenden Fehler in der Reihenfolge:
Falsch gedacht:
Sauerstoff maximieren 2. CO2 ignorieren
Richtig ist:
Atemkomfort
CO2-Abtransport
Sauerstoffkonzentration
-> Genau diese Reihenfolge bestimmt den Therapieerfolg!